Verlegeunterlagen sind ein wertvolles Hilfsmittel um beim (Neu)Aufbau von Bodenbelagskonstruktionen Eigenschaften einzubauen, die mit der alleinigen Verlegung eines Neubelags nicht erzielbar wären. Diese Thematik tritt insbesondere bei der Sanierung häufig auf. Soll zum Beispiel in einem Altbau ein Teppichboden durch einen elastischen Belag oder gar Parkett ersetzt werden, stellt sich sehr schnell die Frage nach einem ausreichenden Schallschutz. Problemlöser sind hier geeignete Verlegeunterlagen. Weitere typische Einsatzfelder für diese Produkte sind das Entkoppeln zwischen Belag und Untergrund, zusätzliche Wärmedämmung und die Erhöhung des Gehkomforts.

Der Markt bietet eine fast unüberschaubare Vielfalt unterschiedlichster Verlegeunterlagen, was dem Anwender die für seinen Fall richtige Auswahl eher erschwert als erleichtert. Schwierig gestaltet sich die richtige Wahl auch, weil Verlegeunterlagen gleichzeitig mehrere verschiedene Eigenschaften in die Konstruktion einbringen bzw. am Aufbau verändern können, z. B. Schalldämmung in Verbindung mit verstärkter Wärmedämmung. Im günstigsten Fall stören diese „Nebenwirkungen“ nicht, im ungünstigsten Fall wird der fertiggestellte Bodenaufbau unbrauchbar und führt damit zu einer kostspieligen Reklamation, z. B. bei Fußbodenheizung in Verbindung mit einer Unterlage mit unzulässig hohem Wärmedämmwert.

Um in dieser verwirrenden Situation dem Anwender eine Orientierungshilfe anzubieten werden nachfolgend die wichtigsten Eigenschaftsanforderungen an Verlegeunterlagen aufgelistet. Parallel dazu werden die „Nebenwirkungen“ beschrieben, so dass der Anwender erkennen kann, ob er sich bei seiner Produktauswahl ungewollte oder möglicherweise sogar nachteilige Eigenschaften einhandelt.

Schalldämmunterlagen mit zertifizierten Werten für die Schalldämmung erhöhen immer auch den Wärmedurchgangswiderstand eines Fußbodenaufbaus. Bei unbeheizten Konstruktionen ist dies unkritisch, bei beheizten ist allerdings der maximal zulässige Gesamt-Wärmedurchgangswiderstand (Belag + Unterlage) in Anlehnung an DIN EN 1264 auf 0,15 m² K/W begrenzt. Deshalb sollten bei Fußbodenheizung diese Werte in die Produktauswahl einbezogen werden.

Ist Stuhlrolleneignung gefordert, so sollte sich der Anwender diese immer für seine jeweilige Kombination aus Belag und Unterlage vom Hersteller bestätigen lassen, denn gerade die weichen Unterlagen auf Basis geschäumter Kunststoffe oder aus gebundenem Korkgranulat führen zu einem verringerten Widerstand gegen mechanische Belastungen. Analog verhält es sich mit dem Eindrückverhalten, besonders Aufbauten mit elastischen Belägen sind hiervon betroffen.

Die meisten Schalldämmunterlagen wirken darüber hinaus entkoppelnd, d. h. sie bauen eventuell zwischen Belag und Untergrund auftretende Spannungen ab. Eine Entkoppelung erhöht die Robustheit einer Konstruktion und ist in der Regel als vorteilhaft, wenn auch nicht unbedingt als notwendig, anzusehen.

Entkoppelungsunterlagen werden grundsätzlich für zwei unterschiedliche Verlegevarianten angeboten. Zum einen wird die Unterlage mit dem Untergrund und dem Belag fest verklebt, z. B. bei der Entkoppelung von Parkett auf einem labilen Untergrund.

Bild 1: Einsatz von geklebtem Entkoppelungsvlies unter Hochkantlamellenparkett

Zum anderen wird die Unterlage lose verlegt. Dadurch bleibt der bestehende Altuntergrund voll funktionsfähig erhalten und kann, wenn der Neubelag entfernt wird, wieder voll genutzt werden. Da die Verlegeunterlagen bei dieser Anwendung mit dem Belag eine stabile Einheit bilden müssen, werden sie auch vielfach als Stabilisierungsunterlagen bezeichnet. Spezielle Stabilisierungsunterlagen sind darüber hinaus in der Lage Verschmutzungen oder Feuchtigkeit aus dem Untergrund vom Belag fern zu halten.

Bild 2: Lose Verlegung der Stabilisierungsunterlage auf verschmutztem Untergrund

Geklebte Entkoppelungsunterlagen wirken häufig ausgeprägt schall- und wärmedämmend; lose verlegte Unterlagen nur, wenn sie eine spezielle Zusatzausrüstung aufweisen.

Wärmedämmung durch Unterlagen wird dann gefordert, wenn die Räume über und unter dem tragenden Boden unterschiedliche Temperaturen aufweisen, z. B. bei Kellerdecken oder erdreichberührten Bodenplatten. Meist wird diese Forderung bei Altbauten und in der Renovierung gestellt.

Wärmedämmende Systeme weisen in der Regel auch schalldämmende Eigenschaften auf und wirken darüber hinaus entkoppelnd. Dies ist nur als vorteilhaft anzusehen.

Aufgrund ihrer niedrigen Wärmeleitfähigkeit kommen häufig geschäumte Materialien zum Einsatz. Diese erhöhen einerseits durch ihr stoßdämpfende Wirkung den Gehkomfort andererseits können sie Stuhlrolleneignung und das Eindrückverhalten erheblich beeinträchtigen. Bei Einsatz von massiven Werkstoffen für die Verlegeunterlagen wird dieser Nachteil deutlich reduziert.

Für erhöhten Gehkomfort bzw. erhöhte Dämpfung bei stoßartigen Belastungen müssen nachgiebige bzw. elastische Materialien eingesetzt werden. Diese sind praktisch immer auch entkoppelnd und schalldämmend.

Bild 3: Verlegung von Textilbelag auf stabilisierender Dämmunterlage

Darüber hinaus erhöhen sie den Wärmedurchlasswiderstand, dies insbesondere, wenn geschäumte Materialien verwendet werden.

Nachgiebige Materialien weisen zwangsläufig einen relativ niedrigen mechanischen Widerstand auf. Stuhlrolleneignung und Eindrückverhalten sind daher bei dieser Anforderung besonders aufmerksam zu beachten.

Die beschriebenen, wesentlichen Wirkungen von Verlegeunterlagen sind in der Tabelle 1 zusammengefasst. Sie enthält weiterhin mögliche Zusatzwirkungen, die sowohl explizit gewünscht als auch nachteilig sein können. Die Spalte „Ausprägung“ gibt Auskunft darüber, ob die Restriktionen eher untergeordnet sind („schwach“) oder ob sie bei der Auswahl intensiv betrachtet werden müssen („stark“).

Bei der Auswahl der geeigneten Verlegeunterlage ist also entscheidend, dass der Anwender im Vorfeld die für ihn maßgeblichen Anforderungen feststellt und die dabei möglicherweise auftretenden Restriktionen gezielt hinterfragt. Die Kombination dieser beiden Informationen dient dann als Leitfaden zur geeigneten Produktauswahl.

Tabelle 1: Wirkungen von Verlegeunterlagen

Autor:
Dr. Norbert Arnold – Leiter Technischer Produktservice Uzin Utz AG

Dieser Artikel ist in der Fachzeitschrift "Fussboden Technik" Ausgabe 04/2009 erschienen.