Parkett-Fußböden gelten zu Recht als sehr hochwertige Böden. Entsprechend erwartet auch der Nutzer, dass sie höchsten Standards bei allen Eigenschaften gerecht werden. Viele Außenstehende verwundert es daher, dass ausgerechnet in diesem Bereich der Fußbodentechnik die als stark gefährdend angesehenen, lösemittelhaltigen Produkte noch in erheblichem Maße eingesetzt werden.

Die Folge sind immer wiederkehrende Anfragen von Verarbeitern und auch von deren Kunden bei den Klebstoff-Herstellern zur Unbedenklichkeit ihrer Produkte.
Der Trend geht erfreulicherweise weg von den Lösemittelprodukten, so dass sich die in Deutschland abgesetzte Menge der lösemittelhaltigen Parkettklebstoffe in den zurückliegenden 4 - 5 Jahren mehr als halbiert hat. Allerdings ist ihr Marktanteil mit 25 - 30 % immer noch unnötig hoch.

Tabelle 1: Lösemittel-Parkettklebstoffe – Marktanteile

In jüngster Zeit haben einige Anbieter angekündigt, lösemittelhaltige Produkte komplett aus ihrem Sortiment zu streichen. Die sich verschärfenden gesetzlichen Rahmenbedingungen werden zusätzlich zu einem weiteren Rückgang der Absatzmengen führen. Aufgrund der Trägheit des Marktes und des häufig anzutreffenden Widerstandes gegen lieb gewonnene Verwendergewohnheiten werden lösemittelhaltige Parkettklebstoffe allerdings noch für einige Jahre eine spürbare Rolle im Markt spielen.
Die möglichen Alternativen sicher beurteilen zu können und damit den Trend weg von Lösemitteln zu beschleunigen, ist das Ansinnen dieses Beitrags.

Nachfolgend werden die Parkettklebstoffe anhand ihres stofflichen Aufbaus in fünf unterschiedlichen Gruppen zusammengefasst und unter Berücksichtigung der jüngsten Produktentwicklungen bewertet. Ihre jeweilige Marktbedeutung ist anhand der Tabelle 2 erkennbar.
In der Praxis wird häufig sehr pauschal und damit wenig zutreffend über die einzelnen Produktgruppen geurteilt. Im Sinne von mehr Klarheit werden im vorliegenden Beitrag die verschiedenen Produktgruppen aus zwei unterschiedlichen Perspektiven betrachtet: Einerseits aus Verarbeitersicht und andererseits aus Nutzersicht. Durch diese Differenzierung können die Wirkungen treffender dargestellt werden, was die Gesamtbeurteilung insgesamt erleichtert.

Tabelle 2: Parkettklebstoffgruppen – Marktanteile 2008 in %

Dispersions-Klebstoffe bestehen aus feinteiligen, nicht reaktiven Kunststoff Dispersionen, mineralischen Füllstoffen und Wasser. Sie sind keine Gefahrstoffe und in der Verwendung unbedenklich. Laut aktueller TRGS 610 sind nur diese Produkte Ersatzstoffe für Lösemittel-Klebstoffe, jedoch nur, sofern dies technisch möglich ist. Wegen ihres Wassergehalts sind Dispersions-Klebstoffe nur für quellunempfindliche  Parkettarten, wie Mosaik- oder 2-Schicht-Parkett, geeignet. In der Praxis sind sie daher leider nur in der Minderheit der Fälle als Ersatzstoffe für Lösemittel-Klebstoffe einsetzbar. Trotz kontinuierlicher Weiterentwicklung der Dispersionsklebstoffe, zeichnet sich keine gravierende Änderung dieser Situation ab. Sie werden sich nicht nicht in absehbarer Zeit als vollwertiger Ersatz für Lösemitel-Klebstoffe etablieren können.
Für den Nutzer sind Dispersions-Klebstoffe absolut unbedenklich. Es gibt keinerlei bekannte Einschränkungen.

Pulverklebstoffe bestehen aus Dispersionspulver, mineralischen Zuschlägen und Zement oder Gips als wasserbindendem Zuschlag. Im Grunde handelt es sich um auf der Baustelle anzumischende Dispersions Klebstoffe. Durch den Zusatz des reaktionsfähigen Zements bzw. Gipses wird das zum Anmischen und Verlegen notwendige Wasser beim Abbinden chemisch gebunden. Im Vergleich zu reinen Dispersionsklebstoffen belasten sie den Parkettboden dadurch nur mit einer deutlich reduzierten Wassermenge. Als Folge haben sie einen wesentlich erweiterten Einsatzbereich. Die Zementmenge ist so niedrig, dass diese Produkte weder Gefahrstoff noch kennzeichnungspflichtig sind. Praktisch ist für den Verleger kein Gefahrenpotenzial vorhanden.
Auf der Baustelle werden sie durch Mischen des Pulvers mit einer vorgegebenen Wassermenge gebrauchsfertig hergestellt. Obwohl mit Wasser anzumischende Produkte üblicherweise nicht als Zweikomponenten Systeme eingestuft werden, sehen viele Verarbeiter die Pulverklebstoffe als zweikomponentige Produkte mit deren systemgegebenen Nachteilen, wie z.B. fehleranfälliges Mischen oder begrenzte Topfzeit, an. Dies beschränkt ihre Verwendung auf einen kleinen Kreis "eingefleischter Fans". 
Da Zement bzw. Gips beim Abbinden mit Wasser vollständig abreagieren, sind Pulver-Klebstoffe für den Nutzer mit Dispersions-Klebstoffen gleichzusetzen: keinerlei bekannte Einschränkungen.

Hybrid-Klebstoffe werden auch als MS-, MSP- oder STP-Klebstoffe bezeichnet und sind immer einkomponentig. Sie sind eine einzige Erfolgsgeschichte im Bereich der Parkettklebstoffe (s. Tabelle 3). Waren sie vor 5 Jahren noch ein Randprodukt, so bilden sie heute die größte Gruppe innerhalb der Parkettklebstoffe.

Tabelle 3: Hybrid-Parkettklebstoffe – Marktanteile

Waren sie vor 5 Jahren noch ein Randprodukt, so bilden sie heute die größte
Gruppe innerhalb der Parkettklebstoffe. Das Bindemittel dieser Klebstoffe
besteht aus einem Polymergerüst mit eingebauten, reaktiven Silan-Gruppen.
Das Gefährdungspotenzial dieser Silan-Gruppen ist so gering, dass diese Produkte für den Verwender unbedenklich sind. Sie sind folglich nicht als Gefahrstoffe eingestuft und schränken den Verleger in keiner Weise ein.

Bild 1: Die Anwendung des 1K Hybrid-Klebstoffs erfordert keine spezifischen Schutzmassnahmen

Seit 2008 sind sie auch als Ersatzprodukte für Lösemittelklebstoffe gemäß TRGS 610 eingestuft. Hybridklebstoffe werden überwiegend zur weichelastischen Verklebung eingesetzt. Sie sind sehr vielseitig, jedoch nicht universell einsetzbar. Hybrid-Klebstoffe härten zuverlässig mit der allgegenwärtigen (Rest-)Feuchtigkeit ab. In der Aushärtephase setzen sie dabei Methanol frei. Dessen Menge ist allerdings nachweislich so gering, dass sie aus Arbeitsschutz- und ökologischer Sicht als unbedenklich gilt – den meisten Anwendern ist dieser Effekt sogar unbekannt. Wegen der hohen Reaktivität der Hybrid-Klebstoffe ist die Methanolbildung sehr rasch abgeschlossen, weshalb diese Produkte vielfach die EMICODE EC 1-Klassifizierung (EC 1 PLUS) und Blauer Engel erreichen, und damit auch aus Nutzersicht völlig unbedenklich sind.

1K PUR-Klebstoffe werden überwiegend zur weichelastischen Verklebung eingesetzt. Sie sind vielseitig aber nicht universell einsetzbar. Letztlich muss der Parkettleger mit Hilfe des Klebstoff-Herstellers über den passenden Einsatz der Produkte entscheiden. 1K-PUR-Klebstoffe ähneln in ihrem Aufbau den Hybrid-Klebstoffen. Anstelle der reaktiven Silan-Gruppen enthalten sie Isocyanat-Gruppen. Isocyanate sind aus chemischer Sicht hoch reaktive Substanzen, sie unterliegen der Gefahrstoff-Verordnung und sind entsprechend gekennzeichnet. Die Deklaration dieser Produkte ist abhängig von ihrem Isocyanat-Gehalt. Die Produktgruppe umfasst sowohl kennzeichnungsfreie, als auch kennzeichnungspflichtige Klebstoffe. Bei kennzeichnungsfreien Produkten besteht keine akute Gefährdung des Verlegers; sollte dieser jedoch sensibilisiert sein, so sind trotz weitgehender Unbedenklichkeit vorbeugende Schutzmaßnahmen ratsam. Bei kennzeichnungspflichtigen Produkten sind die Arbeitsschutz-maßnahmen des zugehörigen GISCODE zu beachten. Für den Nutzer gilt: keinerlei Gefährdungspotenzial.

Innerhalb dieser Produktgruppe finden sich für praktisch alle Anwendungen und Holzarten geeignete Produkte. Sie werden erst auf der Baustelle aus den beiden Komponenten Polyol (Komponente A) und Isocyanat (Komponente B) angemischt. Im Vergleich zu einkomponentigen Produkten wird das Mischen als zusätzlicher Arbeitsgang angesehen; für Ungeübte ist es darüber hinaus fehleranfällig. Ist der Aushärteprozess durch das Anmischen einmal angestoßen, lässt er sich nicht mehr anhalten. Da die Arbeitsvorgänge dadurch zeitlich eingeschränkt sind, ist eine planmäßige Vorgehensweise auf der Baustelle unbedingt notwendig. 2K-PUR-Klebstoffe sind daher absolute Profi-Produkte. Die A- bzw. Polyol-Komponente ist weitgehend harmlos, die B- bzw. Isocyanat-Komponente ist allerdings hoch reaktiv. Das führt dazu, dass sie einerseits sehr zuverlässig und schnell mit der Polyol-Komponente abreagiert, andererseits kann sie auch mit anderen zur Verfügung stehenden Reaktionspartnern reagieren. Bei Hautkontakt reagieren sie sehr schnell mit  dieser, was zu Reizungen und anderen Schäden führen kann. Häufig wiederholter Kontakt kann darüber hinaus zu Sensibilisierung führen. Entsprechende Schutzmaßnahmen sollten daher selbstverständlich sein.

 

Bild 2: Das Anmischen von A- und B-Komponente und das Auftragen eines 2K PUR-Klebstoffs erfordert geeignete Schutzmaßnahmen

Leider ist man auf der Baustelle immer wieder mit der Vernachlässigung von Schutzmaßnahmen konfrontiert. Für den Nutzer gilt das bei den 1K-PUR-Klebstoffen Beschriebene: keinerlei Gefährdungspotenzial.

Lösemittelhaltige Produkte hatten 2008 noch einen Marktanteil von ca. 25 %. Sie sind einfach zu verarbeiten, haben ein sehr breites Einsatzgebiet und sind dazu noch preisgünstig. Ihr Lösemittelgehalt beeinträchtigt den Anwender auf zweierlei Art: Erstens schädigen Lösemittel die Gesundheit und zweitens sind sie brennbar, mit allen Folgen bis hin zum Explosionsschutz.
Die jüngste Entwicklung bei dieser Produktgruppe ging hin zu Klebstoffen, die aufgrund ihrer Kombination aus Art und Menge der Lösemittel bzw. Additive die Einhaltung der bestehenden Grenzwerte unter allen Baustellenbedingungen gewährleisten. Sie vereinfachen dadurch spürbar die Arbeitsschutzmaßnahmen und werden vom GISCODE S0,5 erfasst. Ihre Marktbedeutung ist begrenzt geblieben, ein Hersteller hat diese Produktlinie im Rahmen der Lösemittelsubstitution sogar wieder ganz aus seinem Sortiment entfernt. Unabhängig von dieser Entwicklung dürfen laut TRGS 610 lösemittelhaltige Klebstoffe nur dort eingesetzt werden, wo dazu die technische Notwendigkeit besteht. Bei der aktuell noch eingesetzten Menge muss man allerdings eher davon ausgehen, dass diese Vorschrift als Wunsch ausgelegt wird – denn nach dem Stand der Technik gibt es für alle Anwendungen Alternativprodukte. Viele Klebstoff-Hersteller dokumentieren dies auch auf Wunsch durch schriftliche Aufbauempfehlungen. Offensichtlich werden die genannten Einschränkungen vom Verleger selbst als nicht so gravierend empfunden, anders lässt sich die Unbedarftheit beim Umgang mit diesen Produkten kaum erklären. Beim Nutzer des Bodens stellt sich die Situation völlig anders dar: Lösemittelhaltige Produkte werden generell als äußerst kritisch betrachtet und in aller Regel vom Endverbraucher abgelehnt – sofern er über ihren Einsatz Kenntnis erhält. In vielen Fällen werden lösemittelhaltige Produkte ohne Einverständnis des Nutzers eingesetzt. Werden dann mittels Raumluftanalyse Lösemittel nachträglich festgestellt, ist der extrem kostenträchtige Rückbau kaum noch zu umgehen. Lösemittelhaltige Parkett-Klebstoffe sind heute nicht mehr zeitgemäß. Auch wenn die S0,5-Klebstoffe tatsächlich weniger gefährdend als herkömmliche Produkte sind, so verunsichern sie doch zumindest den Endkunden, was letztlich zu Lasten aller Parkettklebstoffe geht. Eine nennenswerte Akzeptanz beim Verarbeiter wird vermutlich weiter bestehen bleiben. Allerdings ist abzusehen, dass einerseits durch ausreichende Verfügbarkeit technisch ebenbürtiger Ersatzprodukte (Hybridklebstoffe mit dem GISCODE RS10) und andererseits durch abzusehende einschränkende Europäische Regelungen, wie z. B. der Decopaint-Richtlinie, in einigen Jahren lösemittelhaltige Produkte ganz vom Markt verschwinden werden.

Am leichtesten fällt die Bewertung bei den Lösemittel-Klebstoffen: inakzeptabel! Solange es die gesetzlichen Rahmenbedingungen allerdings noch zulassen, werden sie weiterhin einen nennenswerten Marktanteil behaupten.
Der Einsatz von 2K-PUR-Klebstoffen bei schwierigen Verklebungen wird weiterhin in erheblichem Maße erfolgen. Da die Verarbeitung gewerblich erfolgt, sind die Gefährdungspotenziale durch den professionellen Umgang mit diesen Stoffen als gering einzuschätzen.
Hybrid Klebstoffe gewinnen weiterhin Marktanteile, hauptsächlich zu Lasten der Lösemittel-Klebstoffe.
Alle Typen von Reaktionsharz-Klebstoffen erreichen häufig die EMICODE Klassifizierung EC 1 PLUS. Sie stellen also keinerlei Gefährdung oder Beeinträchtigung für den Nutzer dar. Dennoch sind diese Produkte für manche kritischen Verbraucher mit einem Makel behaftet: "Chemie"-Produkte sind für diese Nutzergruppe grundsätzlich suspekt. Auch mit Hybrid-Klebstoffen, die heute als Ersatzprodukte für lösemittelhaltige Produkte entsprechend TRGS 610 empfohlen werden, wird diese Verbrauchergruppe nicht immer erreicht.
Dispersions- und Pulverklebstoffe sind unter Arbeits- und Umweltschutz-Gesichtspunkten als überzeugend positiv zu bewerten. Sofern der vorgesehene Einsatzbereich dies technisch zulässt, sind sie die erste Wahl.
Bei "ökologischen Hardlinern" sind selbst diese beiden letzten Produktgruppen nicht uneingeschränkt akzeptiert. Allerdings stellt sich dann die Frage, ob diese überkritische Klientel überhaupt als Zielgruppe für hochwertige handwerkliche Arbeit geeignet ist.
Insgesamt gesehen stehen heute aus Verleger- und Nutzersicht für alle Parkett-Verklebungen unkritische Produkte zur Verfügung. Weiterhin gilt, die Überzeugungsarbeit zur Substitution der Lösemittel-Klebstoffe beharrlich fortzuführen. Diskussionen, die im Grunde unbedenkliche Produkte in Verruf bringen können, werden so von Anfang an vermieden.

Autor:
Dr. Norbert Arnold – Leiter Technischer Produktservice Uzin Utz AG

Dieser Artikel ist in der Fachzeitschrift "Parkettmagazin" Ausgabe 01/2010 erschienen.

 

Dispersion: In Wasser fein verteilte Kunstharz-Teilchen. Durch Dispergiermittel wird verhindert, dass sich das eigentlich wasserunlösliche Kunstharz absetzt. Beim Trocknen lagern sich die Teilchen zu einer kompakten Masse zusammen; diesen Vorgang bezeichnet man als Verfilmung der Dispersion.

GISCODE: (Gefahrstoff-Informations-System der Bauberufsgenossenschaften): Dieser Code beschreibt die Art von Vorstrich und Klebstoff-Dispersion (D), Reaktionsharz (R) oder stark lösemittelhaltig (S). Daraus abgeleitet ergeben sich feste Vorgaben zum Umgang mit diesen Produkten.

Hybrid: Der Begriff ist abgeleitet aus lateinisch "Hybrida" = Mischling. Hybrid-Klebstoffe bestehen ähnlich wie 1K-Polyurethane aus einem reaktiven Prepolymer; die Isocyanat-Gruppen sind dabei durch die weniger kritischen Silan-Gruppen ersetzt. Damit handelt es sich quasi um ein Mischprodukt aus PUR und Silicon.

Isocyanat: Chemische Verbindung, die die sehr reaktionsfähige Isocyanat-Gruppe(-NCO) enthält. Ihre hohe Reaktionsfähigkeit stellt die zuverlässige Wirkung in Bauprodukten sicher. Gleichzeitig gefährdet sie den Anwender. Abhängig von Menge und Anwendungsart sind unterschiedliche Schutzmaßnahmen einzuhalten.

Kunstharz: Durch Polymerreaktion hergestellte synthetische Produkte. Bei geeigneter Stoffauswahl wirken sie als Klebstoffe. Kunstharze sind die Basis für Lösemittel- und Dispersionsklebstoffe. Häufig wird allerdings „Kunstharz“-Klebstoff gleichbedeutend mit Lösemittel-Klebstoff verwendet.

Lösemittel: Flüssigkeiten, die zum Lösen oder Aufschlämmen fester oder pastöser Stoffe dienen. Diese Produkte trocknen durch Verdunstung des Lösemittels. Im Prinzip ist auch Wasser ein Lösemittel; üblicherweise ist es jedoch von dieser Gruppe ausgenommen. Dadurch, dass Lösemittel immer brennbar, gesundheits- oder umweltgefährdend sind, ist ihr Einsatz prinzipiell nachteilig (wobei deutliche Abstufungen im Gefährdungspotenzial auftreten können).

Polyol: "poly" steht für "viel" und "ol" für Alkohol. Polyole sind also kurzkettige Polymere, bei denen Alkohol-Gruppen (chemisch OH- oder Hxdroxyl-Gruppen) an die Kette gebunden sind. Mit Isocyanaten reagieren die Alkohol-Gruppen zu Polyurethanen.

Polyurethan (Abkürzung PUR): Extrem vielseitige Kunststoffgruppe, deren Polymerketten über Urethan-Gruppen vernetzt sind. Die Urethan-Gruppe entsteht direkt bei der Anwendung durch Reaktion der beiden Vorprodukte Isocyanat und Polyol. Das heißt, die sogenannten zweikomponentigen Polyurethan-Klebstoffe sind keine Polyurethane im eigentlichen Sinn, sondern nur deren Vorprodukte. Einkomponentige Polyurethan-Klebstoffe entstehen durch Reaktion von Polyol mit Isocyanat beim Produzenten. Dadurch, dass Isocyanat im Überschuss eingesetzt wird, entsteht ein sogenanntes Prepolymer, das auch reaktive Isocyanat-Gruppen aufweist. Bei der Anwendung reagiert das Isocyanat des Prepolymers mit Umgebungsfeuchtigkeit; der Klebstoff härtet aus.

Reaktionsharze: Flüssige oder pastöse Substanzen, die durch Reaktion mit einer zweiten Komponente oder der Umgebung (Feuchtigkeit, Sauerstoff) aushärten. Die Reaktivität der Reaktionsharze kann auch physiologische Effekte auslösen, so dass beim Umgang mit diesen Produkten häufig Arbeitsschutzmaßnahmen ergriffen werden müssen. Das Gegenstück bilden die inaktiven und physiologisch nicht wirksamen Kunstharze. 

Silane: Chemisch hochreaktive Silicium-Verbindungen, die in Gegenwart von Wasser zur Silicon-Gruppen abreagieren. Die entstehenden Silicon-Gruppen bilden im Klebstoff ein Netzwerk – das Produkt härtet aus. Silan-Gruppen enthaltende Klebstoffe werden unterschiedlich bezeichnet (die zugrunde liegende Aushärtereaktion ist jedoch immer die gleiche): Hybrid-, MS-, MSP-, SMP-, STP- oder Silan-Klebstoffe.

TRGS: "Technische Regeln für Gefahrstoffe"; durch die TRGS werden die in der Gefahrstoffverordnung genannten Regeln und Vorgaben näher bestimmt. Sie beziehen sich vor allem auf den Umgang mit und das Inverkehrbringen von Gefahrstoffen. Die TRGS 610 bezieht sich explizit auf stark lösemittelhaltige Vorstriche und Klebstoffe im Bodenbereich.