Bodenbeläge in Feucht- und Nassräumen (Fußnote 1) waren in der Vergangenheit eine absolute Domäne von keramischen Fliesen und Platten bzw. Naturstein. Dies ist einfach nachvollziehbar, sind doch sowohl der Belag selbst als auch die verwendeten Verlegewerkstoffe - Verlege- und Fugenmörtel auf zementärer Basis - praktisch feuchteunempfindlich. Darauf aufbauend konnten die geeigneten Verlegemethoden und Bodenaufbauten entwickelt werden.

Da Bodenbeläge aus keramischen Fliesen aufgrund der Fugen nie als wasserdicht angesehen wurden, waren schon frühzeitig Abdichtungsmaßnahmen zum Schutz des Untergrundes bzw. des Gebäudes integraler Bestandteil dieser Bodenaufbauten in Feuchtebereichen. Daher gibt es heute umfangreiche Erfahrungen, einschließlich entsprechender Regelwerke, für Beläge aus keramischen Fliesen oder Naturstein in Feuchtbereichen. Das Bewusstsein für Abdichtungsmaßnahmen in solchen Bereichen ist dem Fliesenlager quasi in Fleisch und Blut übergegangen.

Dass es trotz dieses Problembewusstseins immer wieder zu Schäden durch Feuchteeinwirkung, insbesondere im Fugenbereich und bei Rohrdurchführungen, kommt, zeigt dass bei der Ausführung von Abdichtungsarbeiten große Sorgfalt vonnöten ist. Die Produkte und zugehörigen Ausführungsregeln sind zwar weit entwickelt, wenn aber Unkenntnis bzw. Mängel bei der Ausführung auftreten, sind Schäden vorprogrammiert.

Seit einigen Jahren werden für Feuchträume zunehmend Bodenaufbauten mit Parkett oder elastischen Bodenbelägen nachgefragt. Dieser Trend wird vor allem durch zwei Entwicklungen gestützt: Zum Einen werden im sich dynamisch entwickelnden Health and Care-Segment zunehmend elastische PVC- oder Kautschuk-Bodenbeläge als Alternative zu den „kalten“ Fliesenbelägen für Feuchteräume gefordert.

 

Bild 1: Elastomerbelag in einer Dusch- und Toilettenanlage

Zum Anderen wird für hochwertige Bäder und in Wellnessbereichen, wegen des angenehmen Gehgefühls, verbunden mit einem Ambiente der Natürlichkeit, die immer häufiger die Verwendung von Parkett gewünscht.

Bild 2: Parkettboden im Wellnessbereich (Quelle Fa. Boxler)

Wurden diese Beläge anfänglich nach den im Boden- und Parkettbereich bekannten und bewährten Methoden verlegt, setzt sich jetzt langsam das Bewusstsein durch, dass das Beachten der herkömmlichen Verlegeformen alleine, für einen dauerhaft funktionsfähigen Boden nicht ausreicht. Vielmehr müssen die vom Fliesenlegen bekannten Abdichtungsmaßnahmen an die Erfordernisse der elastischen Bodenbeläge und des Parketts adaptiert und zusätzlich berücksichtigt werden.

Bodenbeläge in Feuchträumen sind üblicherweise PVC- oder Elastomerbeläge. Diese sind gut feuchtebeständig, dennoch sollte vor deren Einsatz in Feuchträumen eine entsprechende Empfehlung des Herstellers für den ausgewählten Belagstyp vorliegen. Elastische Beläge in Feuchträumen sollten immer verfugt bzw. verschweißt werden, aber Achtung: Ein Nahtverschluss stellt keine Abdichtung dar. Geschweißte bzw. verfugte Nähte sind stattdessen als Wartungsfugen anzusehen.

Parkett sollte möglichst aus „ruhigen“ Holzarten, d. h. solchen mit langen Feuchtewechselzeiten, bestehen. Typisch Beispiele sind Teak, Doussie, Eiche oder auch Räuchereiche. Formatbegrenzungen gibt es sowohl nach unten als auch nach oben. Kleinformate, wie z. B. Mosaikparkett, sollten aufgrund der großen Fugenanzahl und der damit verbundenen, erhöhten Möglichkeit zur Feuchtigkeitsaufnahme vermieden werden. Großformatige Dielen können bereits bei kleinen Änderungen des relativen Holzfeuchtigkeitsgehalts, die unvermeidlich auftreten werden, relativ große absolute Dimensionsänderungen erfahren und sollten aus diesem Grunde ebenfalls gemieden werden. Die meisten Parkettleger favorisieren bei Feuchteeinwirkung eher eine geölte als eine lackierte Oberfläche; bei lackierten Oberflächen könnte über die Fugenkanten Wasser in den Parkettstab eindringen und die Lackierung sichtbar unterwandern.

Die Folgen negativer Feuchteeinwirkung auf Bodenaufbauten aus elastischen Bodenbelägen und Parkett sind hinlänglich bekannt. Erkennt der Planer oder Verleger diese Gefahr, z. B. aus einem nicht ausreichend getrockneten Zementestrich, gibt es heute hinreichend Gegenmittel. Negative Auswirkungen aus einem feuchten Untergrund können z. B. zuverlässig mit geeigneten Dichtgrundierungen verhindert werden. Im Analogschluss wurde bei Bodenbelags- und Parkettarbeiten in Feuchtebereichen bisher meist der Untergrund gegen die Auswirkungen der Feuchtigkeit durch das Auftragen einer Dichtgrundierung geschützt - eine Vorgehensweise, die leider zu falschen Ausführungen führt.

Die Applikation einer Dichtgrundierung im Feuchtebereich zum Schutz des Untergrundes entspricht nicht dem Stand der Technik. Denn dadurch wird zwar der Belag vor Feuchteeinwirkung aus dem Untergrund bewahrt, ausreichenden Schutz für den Untergrund gegen die Einwirkung von Feuchtigkeit von oben, kann eine Dichtgrundierung allerdings nicht bieten. Dieser Untergrundschutz ist allerdings unumgänglich, kann in den Untergrund eindringende Feuchtigkeit doch zu erheblichen Schäden, wie z. B. Festigkeitseinbußen, Korrosion sowie Schimmel- oder Geruchsbildung führen. Ein zuverlässiger Schutz des Untergrunds ist daher nur mit sogenannten „Abdichtungen“ sowie den zugehörigen Systemkomponenten, wie z. B. flexiblen Dichtbändern und Dichtmanschetten, möglich. Anders als die üblichen Dichtgrundierungen sind Abdichtungen hochflexibel, was durch entsprechende Versuche nachgewiesen werden muss. Treten im Gebäude Bewegungen, z. B. aus Setzungen oder den unvermeidlichen, thermisch bedingten Dimensionsänderungen auf, können nur die hochflexiblen Abdichtungen in Verbindung mit den zugehörigen Systemkomponenten, das Eindringen von Feuchtigkeit in den Gebäudekörper sicher verhindern.

Da sich die Folgen der Feuchteeinwirkung auf das Bauwerk sowohl auf das Gebäude selbst, als auch auf die Gesundheit der Bewohner gravierend auswirken können, unterliegen Abdichtungen auch einer umfangreichen bauaufsichtlichen Regulierung.

Die Bilder 3 und 4 veranschaulichen schematisch Bodenkonstruktionen mit Dichtgrundierung bzw. Abdichtung.

Bild 3 zeigt schematisch den bisher meist üblichen Aufbau für einen Parkettboden im Feuchtebereich und Bild 4 einen sicheren Aufbau, wie er aus dem oben beschriebenen Sachverhalt folgt.     

 

Bild 3: Schematischer Fußbodenaufbau für Parkett auf feuchtem Untergrund
Bild 4: Schematischer Fußbodenaufbau für Parkett im Feuchtebereich

Die Belagsverklebung erfolgt am Günstigsten im System. Wird eine Epoxidharzabdichtung eingesetzt, was meistens der Fall sein dürfte, dann sollte mit einem auf den jeweiligen Belag abgestimmtem Reaktionsharzklebstoff geklebt werden. Insbesondere bei elastischen Belägen kann aus verlegetechnischen Gründen auch der Einsatz von Dispersionsklebstoffen, sinnvoll sein. Auch wenn diese Klebstoffe bei intensiver Feuchteeinwirkung erweichen können, lässt sich deren Verwendung, insbesondere bei Bahnenware, bei Abwägung aller spezifischen Umstände im Einzelfall rechtfertigen. Sollte tatsächlich ein Schaden an der Klebung auftreten, so kann dieser mit vertretbarem Aufwand behoben werden. Viel wichtiger ist allerdings, dass die Funktionsfähigkeit der Abdichtung und damit der Schutz des Bauwerks sichergestellt ist.

Dem Trend zum zunehmenden Einsatz von Bodenbelägen (Fußnote 2) in Feuchträumen folgend, wurde erstmals im Jahr 2007 das BEB-Merkblatt „Abdichtungen unter Bodenbelägen“ herausgegeben. Die jüngste Ausgabe vom August 2010 (Literatur 1) beschreibt ausführlich die Anwendungsfälle für elastische Bodenbeläge und Parkett in Feuchträumen und liefert darüber hinaus detaillierte Ausführungsbeispiele. Damit wurde für diese Art von Fußbodenkonstruktionen ein aktueller Stand der Technik geschaffen. Das Merkblatt nutzt die im Fliesenbereich bereits seit langer Zeit bewährten Anwendungsregeln und erweitert sie bzw. passt sie auf den Einsatz von elastischen Bodenbelägen, Parkett und Bodenbeschichtungen an.

Bauaufsichtlich sind Abdichtungen über die Bauregelliste (Literatur 2) erfasst, und ihre Eignung muss durch ein „allgemeines bauaufsichtliches Prüfzeugnis“ nachgewiesen sein. Aus den zugehörigen Prüfgrundsätzen folgt, dass bei zu erwartender „hoher“ Feuchtebelastung Abdichtungen zwingend vorzusehen sind. Hohe Feuchtebelastung liegt z. B. bei öffentlichen Duschanlagen, bei allen Räumen mit Bodenabläufen und bei Schwimmbädern, egal ob öffentlich oder privat, vor. Werden in diesen Bereichen Bodenbeläge ohne Abdichtung eingesetzt, so stellt dies immer einen Mangel dar. was Die Bauaufsicht grenzt explizit „hohe“ von „mäßiger“ Belastung ab. Für mäßige Belastung macht sie allerdings keine Vorgaben.

Mäßige Feuchtebelastung tritt überall dort auf, wo planmäßig Bodenbeläge mit Wasser in Berührung kommen können. Dies ist typisch für Badzimmer in Privatwohnungen oder Hotels. Bei Küchen oder auch Gäste-WCs in Privatwohnungen geht man nicht mehr von einer planmäßigen Feuchtebelastung aus. Dort sind Abdichtungen somit nicht notwendig.

Laut ZDB-Merkblatt „Verbundabdichtungen“ (Literatur 3) wird für Flächen mit mäßiger Feuchtebelastung grundsätzlich das Aufbringen einer Abdichtung empfohlen. Nur in den Fällen, in denen die planmäßige Feuchtebelastung nachweislich verhindert werden kann, z. B. durch geeignete Duschabtrennungen, kann auch in Feuchträumen auf die Abdichtung verzichtet werden.

Das genannte ZDB-Merkblatt erfasst ausschließlich Bodenbeläge aus keramischen Fliesen und Platten sowie Naturstein, es ist dennoch für die Verlegung von Bodenbelägen in Feuchtebereichen sehr hilfreich. Für elastische Bodenbeläge und Parkett ergeben sich die Anwendungsregeln aus der Kombination der Vorgaben des ZDB-Merkblatts mit den Empfehlungen des BEB-Merkblatts „Abdichtungen im Verbund mit Bodenbelägen“. Dies lässt sich grob durch folgende Faustregeln zusammenfassen (Details siehe Literatur):

  • In Feuchtebereichen sind Abdichtungen grundsätzlich notwendig.
  • Auf Abdichtungen kann nur verzichtet werden, wenn sie nachgewiesener Weise überflüssig sind.
  • Für Abdichtungen werden explizit Produkte mit Eignungsnachweis (Allgemeines bauaufsichtliches Prüfzeugnis oder europäische technische Zulassung) empfohlen.
  • Es dürfen nur für die Anwendung geeignete Klebstoffe eingesetzt werden.

Unter einer Abdichtung auf Epoxidharz(EP)-Basis wird der belegreife Untergrund mit einer empfohlenen EP-Grundierung grundiert und anschließend wird die erste Lage der Abdichtung aufgebracht. Dann werden mit den zugehörigen Systemkomponenten (Dichtbänder und -manschetten) die Übergänge zur Wand und eventuell vorhandene Bodendurchdringungen abgedichtet.

Bild 5: Wandanschluss mit Systemkomponenten: Dichtband codex BST 75 mit Abdichtung codex Epo 2000

Anschließend wird die zweite Abdichtungsschicht appliziert, wobei bei allen Arbeitsgängen die vorgeschriebenen Aushärtezeiten und Mindestschichtdicken zu befolgen sind.

Parkett wird unter Beachtung der in Tabelle 1 zusammengefassten Hinweise mit dem empfohlenen 1K- oder 2K-Reaktionsharzklebstoff auf die Abdichtungsebene geklebt.

Bild 6: Parkettverlegung auf Abdichtung codex Epo 2000 mit 2K-PUR-Klebstoff UZIN MK 92 S

Fertigparkett erfordert keine weiteren Arbeitsschritte, rohes Parkett wird mit einem feuchtraumgeeigneten Produkt nach Herstellervorgabe geölt.

Elastische Bodenbeläge werden möglichst mit einem 2K-Reaktionsharzklebstoff auf die Abdichtungsebene geklebt. Nach der vorgeschriebenen Wartezeit werden die Nähte mit den empfohlenen Verfugungsmaterialien verschlossen.

Die Nachfrage nach elastischen Bodenbelägen und Parkett in Feuchträumen nimmt stetig zu.

Die Übertragung der bei feuchten Untergründen verfolgten Verlegemethoden reicht zur Erstellung sicherer Bodenkonstruktionen nicht aus. Vielmehr sind die in den zitierten Regelwerken beschriebenen Abdichtungsmaßnahmen umzusetzen. Sie beschreiben den aktuellen Stand der Technik. In Verbindung mit geeigneten Bodenbelägen gewährleisten sie die Dauerhaftigkeit der erstellten Fußbodenkonstruktionen. Bei regelgerechter Anwendung eröffnen sich somit für den Boden- und Parkettleger neue Einsatzgebiete, die er bisher nicht erschließen konnte oder wegen der damit verbundenen vermeintlichen Risiken nicht bearbeiten wollte. Bei auftretenden Fragen sollte generell die Anwendungstechnik des jeweiligen Verlegewerkstoffherstellers kontaktiert werden.

 

Autor:
Dr. Norbert Arnold – Leiter Technischer Produktservice Uzin Utz AG

Dieser Artikel ist in der Fachzeitschrift "Objekt" in der Ausgabe 12/2010 erschienen.

 

Fußnote 1: Die Bezeichnungen „Feuchträume“ und „Nassräumen“ werden häufig synonym verwendet. Der Einfachheit halber werden daher im vorliegenden Text beide Begriffe unter „Feuchträume“ zusammengefasst.

Fußnote 2: Der Begriff Bodenbeläge beschreibt sowohl Beläge aus keramischen Fliesen und Platten als auch elastische und textile Bodenbeläge sowie Parkett. Wird im vorliegenden Fachbeitrag nur von „Bodenbelägen“ gesprochen, so umfasst der Begriff themenbezogen lediglich elastische Bodenbeläge und Parkett.

Literatur 1: BEB-Merkblatt „Abdichtungen im Verbund mit Bodenbelägen“, August 2010

Literatur 2: Bauregelliste A, Teil 2, lfd. Nr. 1.10 „Abdichtungsstoffe im Verbund mit Fliesen- und Plattenbelägen für Bauwerksabdichtungen gegen nichtdrückendes Wasser bei hoher Beanspruchung wie z. B. Nassräumen im öffentlichen und gewerblichen Bereich sowie gegen von innen drückendes Wasser wie z. B. bei Schwimmbecken im Innen- und Außenbereich“

Literatur 3: ZDB-Merkblatt „Verbundabdichtungen - Hinweise für die Ausführung von flüssig zu verarbeitenden Verbundabdichtungen mit Bekleidungen und Belägen aus Fliesen und Platten für den Innen- und Außenbereich“, Januar 2010