Spachtelmassen werden heute herstellerabhängig sowohl mit als auch ohne CE-Kennzeichnung angeboten. Deswegen taucht immer wieder die Frage auf, wie denn die CE-Kennzeichnung dieser Produkte zu bewerten sei.

Existiert für eine Produktgruppe eine harmonisierte europäische Norm, so müssen die entsprechenden Produkte, wenn sie in Europa verkauft werden sollen, den Anforderungen dieser Norm entsprechen. Im Falle der Boden-Spachtelmassen ist dies die Norm DIN EN 13813 „Estrichmörtel und Estrichmassen“. Wie der Name besagt, regelt diese Norm Estrichmörtel und beschreibt einen Estrich über seine Funktionen:

1. Erreichung einer vorgegebenen Höhenlage oder
2. Aufnahme eines Bodenbelags oder
3. Unmittelbare Nutzung

Davon unabhängig definiert die Norm auch Spachtelschichten und Ausgleichsschichten separat und grenzt sie damit von Estrichen ab. Dadurch ist es möglich Spachtelmassen auf zwei unterschiedliche Arten, nämlich als Estrich oder als Ausgleich-/Spachtelschicht zu betrachten. Namhafte Sachverständiger neigen dabei eher zur Auslegung als Estriche. Letztendlich führt dies zu der außergewöhnlichen Situation, dass innerhalb einer Gruppe von Bauprodukten CE-gekennzeichnete und nicht gekennzeichnete Produkte parallel vermarktet werden.

Entscheidet sich ein Hersteller für die Einordnung seiner Spachtelmassen als Estriche und damit für die CE-Kennzeichnung, so muss er allerdings auch alle damit verbundenen Vorgaben erfüllen. Die bedeutendsten sind:

1. Die Produkteigenschaften müssen mit den angegebenen Daten übereinstimmen.

2. Bestimmte, in der Norm aufgeführte Hinweise und Produkteigenschaften müssen sowohl im Kennzeichnungsfeld auf der Verpackung als auch im Produktdatenblatt aufgeführt sein.

3. Der Hersteller muss ein definiertes Qualitätsmangement-System installieren. 

4. Die zugrunde liegende Norm ist aufzuführen.

Auf Spachtelmassen angewandt bedeutet dies den Hinweis auf die DIN EN 13813, die Abkürzung für die eingesetzte Bindemittelbasis (CT für Zement- bzw. CA für Calciumsulfat-basiert) und die Angabe der erreichten Klasse für Druck- und Biegezugfestigkeit. Beispielsweise folgt daraus für die Spachtelmasse UZIN NC 170 LevelStar mit einer Mindestdruckfestigkeit von 35 N/mm² und einer Mindestbiegezugfestigkeit von 7 N/mm² die Kennzeichnung „DIN EN 13813 CT-C35-F7“. Zusätzlich muss das Brandverhalten nach DIN EN 13501 angegeben werden.

Hersteller, die sich für die CE-Kennzeichnung entscheiden, erzeugen damit ein hohes Maß an Transparenz zu wichtigen Eigenschaften ihrer Produkte. Planer und Anwender verfügen über zusätzliche
Informationen, die ihnen die geeignete Produktauswahl erleichtern können.

Dem Anwender bietet die beschriebene Transparenz nur Vorteile, für den Hersteller bedeutet sie allerdings einen erheblichen Zusatzaufwand, und auch nicht jeder Anbieter von Spachtelmassen möchte sich einem möglichen Eigenschaftsvergleich stellen.

Da jedes CE-gekennzeichnete Produkt die ausgewiesenen Anforderungen erfüllen muss, stehen die angegebenen Festigkeitsklassen immer für Mindestwerte und repräsentieren nicht irgendwelche Mittelwerte. Die Werte der Festigkeitsklassen haben somit eine höhere Aussagekraft, als fallweise bei nicht CE-gekennzeichneten Produkten angegebene Mittelwerte, bei denen sowohl Abweichungen nach unten als auch nach oben möglich sind. Dass die Sicherstellung von Mindestwerten aufwändiger ist, als die Einhaltung von orientierenden Mittelwerten ist leicht nachvollziehbar.

Die DIN EN 13318 fordert auch ein definiertes Qualitätsmanagement-System, das u. a. eine Erstprüfung der spezifizierten Eigenschaften durch ein unabhängiges, akkreditieres Prüflabor und eine permanente werksseitige Produktionskontrolle verlangt.

Die aus der CE-Kennzeichnung resultierenden Produktdaten können dem Anwender  Hilfestellung bei einer ersten Einschätzung von Qualität und Einsatzmöglichkeiten der Spachtelmasse liefern. Ist doch die dokumentierte Druckfestigkeit ein wichtiger Indikator (jedoch nicht der einzige!) für die Wertigkeit einer Spachtelmasse.

Denn grob gesagt gilt: Je höher die Festigkeit, desto besser sind

  • der Widerstand gegen Druckbeanspruchungen bzw. Lasteinwirkungen
  • der Widerstand gegen Punktbelastungen
  • der Widerstand gegen Scherbeanspruchungen, z. B. bei der Verklebung von Parkett
  • die Dauerhaftigkeit einer Spachtelmasse

Zur Erzielung eines ausgewogenen Eigenschaftsbildes werden Spachtelmassen in unterschiedlichem und zum Teil erheblichen Maße mit Kunststoffen (z. B. Dispersionspulver und Cellulosederivate) modifiziert. Der Einsatz dieser brennbaren Substanzen kann naturgemäß das Brandverhalten negativ beeinflussen. Der Nachweis eines möglichst günstigen Brandverhaltens kann daher beim Einsatz in öffentlichen Gebäuden bzw. Aufenthaltsräumen bedeutend werden. Die CE-Kennzeichnung liefert diese Angabe, die nur in aufwändigen Brandtests ermittelt werden kann, sozusagen frei Haus.

Trotz hoher Kunststoffvergütung dabei die günstigste Brandklasse A1fl nach DIN EN 13501 zu erzielen, ist eine Herausforderung an die Formulierungskunst des Spachtelmassen-Herstellers.

Fazit: Im Allgemeinen führt die CE-Kennzeichnung durch ihre zwingenden Vorgaben zu einer Eigenschaftsangleichung der Produkte unterschiedlicher Anbieter, häufig auf einem eher niedrigen Niveau. Im Falle der Spachtelmassen liegt allerdings eine gänzlich andere Situation vor. Entscheidet sich der Hersteller für die CE-Kennzeichung, bietet er dem Anwender zusätzliche Orientierungshilfe bei der Produktauswahl und positioniert seine Produkte erkennbar qualitativ hochwertig.

Autor:
Dr. Norbert Arnold – Leiter Technischer Produktservice Uzin Utz AG

Dieser Artikel ist in der Fachzeitschrift "Fussboden Technik" Ausgabe 01/2010 erschienen.