Der Begriff „Entkoppeln“ ist bis heute nicht genormt. Dennoch wird er in der Fußbodentechnik häufig verwendet, meist in Verbindung mit Hartbelägen wie Parkett oder keramischen Fliesen. Wie lässt sich Entkoppeln nun treffend beschreiben und wann und wie wird in der Verlegepraxis entkoppelt? Dazu die nachfolgenden Ausführungen.

Bodenbeläge lassen sich grundsätzlich auf zwei gegensätzliche Methoden verlegen.
1. Sie werden lose verlegt, d. h. ohne Anbindung an den Untergrund oder sie werden fest mit dem Untergrund verbunden, z. B. durch Verschrauben oder Verkleben, wobei uns in Verbindung mit Entkoppeln nur das Verkleben interessieren soll. Im direkten Vergleich zur losen Verlegung, führt die feste Verbindung mit dem Untergrund in der Regel zu einem höherwertigen Eigenschaftsprofil des Boden - jeder Verleger ist sicher von den Vorteilen eines geklebten Parkettbodens gegenüber einem schwimmend verlegten überzeugt. Dabei muss man sich allerdings bewusst sein, dass Belag und Untergrund aufgrund der unterschiedlichen Materialeigenschaften auf äußere Einwirkungen unterschiedlich reagieren werden. Bei textilen bzw. elastischen Belagsmaterialien ist dieses unterschiedliche „Arbeiten“ von Untergrund und Belag eher unkritisch, solange die Gebrauchseigenschaften nicht nennenswert beeinflusst werden. Hartbeläge allerdings können bei Veränderungen z. B. der klimatischen Bedingungen enorme Spannungen zum Untergrund aufbauen. Hartelastisch geklebtes Parkett ist dabei problemlos in der Lage bei feuchtigkeitsbedingtem Schwinden oder Quellen einen wesentlich härteren Estrichuntergrund zu zerreißen.

Bild 1: Zerstörter Gussasphalt-Estrich aufgrund von Quellvorgängen im Parkett

Durch große Temperaturunterschiede verursachte Schäden bei dunklen keramischen Fliesen insbesondere im Außenbereich sind ein weiteres Beispiel. Würde die Spannung zwischen Belag und Untergrund abgebaut, könnten solche Schäden verhindert werden. In der Praxis gelingt dies, indem  die Spannungsübertragung über die verbindende Kleberschicht reduziert wird, d. h. Belag und tragender Untergrund werden voneinander entkoppelt. Physikalisch bedeutet dies, dass die Verbindungsschicht nachgiebiger werden muss. Zwei Faktoren sind dabei ausschlaggebend: 1. Die Elastizität der verbindenden Schicht, je „weicher“ desto besser. 2. Deren Dicke, je dicker, desto mehr Verformumgspotenzial. Die Wirkung der Entkoppelungsschicht ist also bei der Kombination von „weicher“ Verbindungsschicht und hoher Schichtdicke am ausgepägtesten.

Wie bereits erwähnt muss Entkoppeln immer vor dem Hintergrund einer spezifischen Kombination Belag/Untergrund betrachtet werden. Betroffen sind vorwiegend Parkett und keramische Fliesen, bei jeweils materialspezifischen Randbedingungen.

Entkoppeln sollte beim Auftreten der in Tabelle 1 und 2 aufgeführten Parameter in Betracht bezogen werden.

Oberbelag Quellempfindliche Hölzer – wegen ihres hohen Potenzials für rasche Dimensionsänderungen

Großformatige Parkettelemente/Massivdielen – wegen des großen absoluten Verformungspotenzials
Untergrund Mischuntergründe

"Marode" Estriche

Trockenestriche mit tendenziell geringer Festigkeit, einschließlich Holzspanplatten

Alte Gussasphaltestriche

Bei allen Zweifeln zur Festigkeit von Altestrichen

Fußbodenheizung – sie kann zu hohen Schwankungen der rel. Luftfeuchte und der korrespondierenden Holzfeuchten führen
Oberbelag Dunkle Fliesen im Einwirkungsbereich von Sonnenstrahlung

Großformatige Fliesen
Untergrund Alte Gussasphaltestriche

Neue Betonfertigelemente

Trockenestriche mit tendenziell geringer Festigkeit, einschließlich Holzspanplatten

Im Außenbereich

Die einfachste Möglichkeit zu entkoppeln, besteht im Einsatz eines weichelastischen oder flexiblen Klebers. Die Parkett-Verklebung mit weichelastischen 1K-PUR-Klebstoffen auf Estrichen niedriger Festigkeit ist ein typisches Beispiel (verbunden allerdings mit dem Nachteil der häufig unerwünschten Fugenbildung).  Der Einsatz von Flexmörteln oder S2-Dünnbettmörteln bei der Verlegung von keramischen Fliesen auf Betonfertigteilen ist ein analoger Anwendungsfall. Da in diesen Fällen keine zusätzlichen Verlegeprodukte eingesetzt werden, wird die Entkoppelung in diesen Aufbauten häufig nicht explizit aufgeführt.
Massivparkett auf Trockenestrichelementen ist eine in der Altbaurenovierung häufig anzutreffende Verlegeaufgabe. Hier haben sich Systemaufbauten aus Reaktionsharzklebstoffen in Verbindung mit Entkoppelungsvlies bewährt. Weitere Möglichkeiten, z. B. für den Schallschutz, eröffnen sich, wenn anstelle des Entkoppelungsvlies entkoppelnde Verlegunterlagen eingesetzt werden.

Bild 2: Schadensfall Holzpflaster: Die Kräfte des Belags haben den Estrich zerrissen

Die größere Dicke der Unterlagen erhöht darüber hinaus das Entkoppelungsvermögen und erweitert somit die Einsatzmöglichkeiten hin zu verformungsanfälligeren Aufbauten. Bei Verlegeunterlagen auf Fußbodenheizung sollte allerdings beachtet werden, dass die zunehmende Dicke der Unterlage auch zu höheren Wärmedurchlasswiderständen führt und damit deren Einsatzgebiet begrenzt.
Die Entkoppelung bei keramischen Fliesen kann in Fällen, wo die Verträglichkeit mit geeigneten Dünnbettmörteln gegeben ist, im Grunde entsprechend ausgeführt werden. Auch den extremsten Fall der Entkoppelung, nämlich die lose oder schwimmende Verlegung findet sich im Fliesenbereich, z. B. wenn Fliesen im Außenbereich auf Drainagematten verlegt werden - die Spannung zwischen Belag und Untergrund wird hier auf Null reduziert, stärker entkoppeln kann man nicht 

Bild 3: Maximale Entkoppelung: Epoxidharzgebundener Drainageestrich (codex Balkudrain) auf lose verlegte Drainagematte

Obwohl Entkoppelung weder genormt ist, noch explizite Werte für die Entkoppelungswirkung der empfohlenen Systeme vorliegen, haben sich Entkoppelungs-Systeme in der Verlegepraxis bewährt und ein weites Feld nützlicher Anwendungen erschlossen.
Die Wirkung der unterschiedlichen Entkoppelungsmechanismen und -systeme lässt sich in folgender Reihenfolge zunehmender Entkoppelungswirkung veranschaulichen

1. Flexible/weiche Klebstoffe
2. Entkoppelungsvlies oder -folien
3. Entkoppelungsunterlagen bzw. -matten (mehrere Millimeter dick)
4. „Lose Verlegung“

Welche Variante im konkreten Einzelfall die günstigste Lösung darstellt, ist nicht immer sofort offensichtlich und sollte im Zweifelsfall mit dem jeweiligen System-Anbieter festgelegt werden.

Autor:
Dr. Norbert Arnold – Leiter Technischer Produktservice Uzin Utz AG

Dieser Artikel ist in der Fachzeitschrift "Fussboden Technik" Ausgabe 01/2009 erschienen.